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Vienna Club PANAP in Bratislava: Energie-Souveränität, Armenien und Europas Suche nach Handlungsfähigkeit

Bratislava ist eine jener Hauptstädte, die in Europa leicht unterschätzt werden. Zu klein für die große Brüsseler Bühne, zu nah an Wien, zu leise für das politische Donnern aus Berlin, Paris oder Warschau. Und doch war gerade diese Stadt Ende Mai 2026 für zwei Tage ein Ort, an dem ausgesprochen wurde, was in Europas offizieller Sprache oft nur verklausuliert vorkommt: Energie ist Macht. Identität ist verletzlich. Und Frieden ist weit mehr als ein wohltemperiertes Wort in Konferenzbroschüren.

Die Veranstaltung trug den programmatischen Titel „Bratislava — City of Peace“. Organisiert wurde sie vom Vienna Club – Pan-European Centre for Political and Economic Analyses and Prognoses, kurz PANAP. Der Name klingt nach klassischem Think-Tank-Vokabular: Analyse, Prognose, politische Ökonomie. Tatsächlich aber war die Konferenz weniger eine akademische Fingerübung als ein Forum, in dem Europa, Eurasien, Energiepolitik und die armenische Frage in einer Schärfe nebeneinandergestellt wurden, wie man sie in offiziösen EU-Formaten selten erlebt.

Eine zentrale Rolle spielte Dr. Ashot Grigorian, Präsident des Vienna Club / PANAP. Er führte als Gastgeber und Moderator durch die Konferenz und gab der Veranstaltung ihren politischen und organisatorischen Rahmen. Seine Bedeutung reicht dabei über die Moderation hinaus: Grigorian ist seit Jahren im Umfeld energiepolitischer und energiewirtschaftlicher Fragen aktiv, insbesondere mit Bezügen zu Wind- und Wasserkraft.

Auch wenn er diesen fachlichen Hintergrund während der Konferenz nicht eigens in den Mittelpunkt stellte, unterstreicht er die besondere Rolle von PANAP: Die Plattform verbindet politische Analyse, internationale Verständigung und konkrete Fragen europäischer Energieversorgung. In Bratislava wurde diese Verbindung sichtbar — Energiepolitik wurde nicht isoliert als Technikdebatte behandelt, sondern als Frage von Souveränität, Versorgungssicherheit und politischer Handlungsfähigkeit.

Er führte als Gastgeber und Moderator durch ein Programm, das Politiker, Fachleute, Geistliche, Juristen, Journalisten und Vertreter der armenischen Diaspora zusammenbrachte. Es waren keine glatten Konferenztage mit weichgespülten Konsensformeln. Es war eher eine politische Versuchsanordnung: Was passiert, wenn man Vertreter unterschiedlicher Länder, Interessen und Erfahrungen nicht bittet, höflich aneinander vorbeizureden, sondern genau dort anzusetzen, wo es weh tut?

Erster Tag: Energie – die neue soziale Frage Europas

Der erste Konferenztag stand im Zeichen der Energie. Doch wer dabei an ein Fachseminar über Kilowattstunden, Netzlast und Förderregeln denkt, greift zu kurz. In Bratislava wurde Energie als das behandelt, was sie längst ist: als Frage von Souveränität, Industrie, sozialem Frieden und geopolitischer Verwundbarkeit.

Der zentrale Gedanke war einfach, fast brutal in seiner Klarheit: Wer seine Energieversorgung nicht kontrolliert, kontrolliert auch seine Zukunft nicht.

Europa diskutiert Energie gern in moralischen Kategorien. Grün oder rückwärtsgewandt. Fortschrittlich oder fossil. Klimafreundlich oder reaktionär. In Bratislava wurde diese Sprache aufgebrochen. Nicht, weil Klimafragen geleugnet worden wären, sondern weil die Referenten auf einem anderen Punkt beharrten: Ein Energiesystem muss nicht nur gut gemeint sein. Es muss funktionieren.

Dass in Bratislava nicht nur über abstrakte Energie-Souveränität gesprochen wurde, sondern auch über konkrete energiepolitische Streitfragen, zeigte sich besonders an der Debatte über den künftigen Energiemix. Neben Bezahlbarkeit, Netzen, Speicherfragen und industrieller Wettbewerbsfähigkeit rückte dabei auch die Kernenergie in den Mittelpunkt.

Die Diskussion war kontrovers, aber nicht beliebig. Im Zentrum stand die Frage, ob Europa seine Energiepolitik zu stark an politischen Zielbildern ausrichtet – und zu wenig an Versorgungssicherheit, Netzstabilität und industrieller Realität. Genau diesen Punkt unterstrichen Milan Uhrík und Andrej Hanzel in ihren Beiträgen, jeweils aus unterschiedlicher Perspektive: Uhrík mit Blick auf EU-Regulierung und Wettbewerbsfähigkeit, Hanzel mit einem fachlichen Plädoyer für Kernenergie als Bestandteil einer stabilen Energiearchitektur.

Milan Uhrík: EU-Energiepolitik unter Druck

Milan Uhrík, Mitglied des Europäischen Parlaments, nahm die Energiepolitik der Europäischen Union kritisch in den Blick. Er verwies auf Zielkonflikte zwischen Klimaneutralität, Versorgungssicherheit, bezahlbaren Preisen, industrieller Wettbewerbsfähigkeit und technologischer Unabhängigkeit. Diese Ziele stünden zwar nebeneinander auf der europäischen Agenda, gerieten in der Praxis aber zunehmend miteinander in Spannung.

Besonders deutlich wurde Uhrík bei den Folgen hoher Energiepreise für Industrie und Haushalte. Energieintensive Branchen wie Chemie, Metallurgie, Batterieproduktion und Automobilindustrie könnten unter dauerhaft höheren Stromkosten an Wettbewerbsfähigkeit verlieren. Zugleich warnte er vor neuen Abhängigkeiten: Während Europa seine Abhängigkeit von Russland reduzieren wolle, wachse die Abhängigkeit von China bei Solarmodulen, Batterien, kritischen Rohstoffen und seltenen Erden.

Uhríks Beitrag passte damit in die Grundlinie des Konferenztages: Energiepolitik muss nicht nur ambitioniert sein, sondern auch bezahlbar, industriekompatibel und geopolitisch belastbar.

Andrej Hanzel: Kernenergie als Frage der Versorgungssicherheit

Andrej Hanzel setzte einen stärker technischen Akzent. Für ihn ist Energiesicherheit ein tragender Bestandteil nationaler Sicherheit. Ein Staat müsse Strom, Wärme und Brennstoffe zuverlässig, bezahlbar und zum benötigten Zeitpunkt bereitstellen können.

Hanzel hob besonders die Rolle der Kernenergie hervor. Solar- und Windenergie hätten ihren Platz im Energiemix, seien aber wetterabhängig und nur begrenzt steuerbar. Kernkraftwerke böten dagegen planbare Leistung, hohe Verfügbarkeit und einen wichtigen Beitrag zur Netzstabilität. Entscheidend sei nicht nur, wie viel Strom erzeugt werde, sondern ob ein Energiesystem Spannung, Frequenz und Versorgungssicherheit zuverlässig gewährleisten könne.

Zugleich plädierte Hanzel für eine sachliche öffentliche Debatte. Kernenergie dürfe nicht parteipolitisch verkürzt behandelt werden. Notwendig seien langfristige nationale Energiestrategien, fachliche Aufklärung und eine Sprache, die Bürgerinnen und Bürger verstehen. Sein Beitrag machte deutlich: Wer über Energie-Souveränität spricht, muss auch über steuerbare Grundlast, technische Stabilität und langfristige Planung sprechen.

Dmitr Monak: Nicht Ideologie, sondern bezahlbare Energie

Dmitr Monak setzte den Ton mit einer nüchternen, aber grundsätzlichen These. Die entscheidende Frage europäischer Energiepolitik sei nicht mehr, wie „grün“ sich ein Staat auf dem Papier gebe. Entscheidend sei, ob Unternehmen und Haushalte Energiepreise planen können.

Das klingt unspektakulär, ist aber im Kern eine industriepolitische Kampfansage. Denn eine Wirtschaft, die Strom- und Wärmepreise nicht kalkulieren kann, verliert Investitionen, Wettbewerbsfähigkeit und Vertrauen. Eine Familie, die ständig die nächste Energierechnung fürchtet, verliert nicht nur Kaufkraft, sondern auch Sicherheit.

Monak betonte besonders die Slowakei. Das Land verfüge mit seinem hohen Anteil an Kernenergie über ein Grundlastfundament, um das viele andere Staaten erst ringen. Doch sein Beitrag war keine simple Lobpreisung der Atomkraft. Er warnte zugleich vor jeder einseitigen Abhängigkeit. Auch Kernenergie müsse Teil eines Systems sein, das Speicher, Netze, Kraft-Wärme-Kopplung, Reservekapazitäten, dezentrale Erzeugung und Flexibilität einschließt.

Das war einer der sachlich stärksten Punkte des ersten Tages: Energiepolitik ist keine Glaubensfrage, sondern Systemarchitektur.

Hynek Beran: Die deutsche Energiewende als abschreckendes Beispiel

Hynek Beran sprach schärfer. Seine Kritik richtete sich vor allem gegen das, was er als europäische Energieideologie verstand. Deutschland erschien in seinem Beitrag nicht als Vorreiter, sondern als Warnschild.

Der Ausstieg aus der Kernenergie, die Abhängigkeit von Gas, die Folgen von Nord Stream, hohe Redispatch-Kosten, Kapazitätsmechanismen, Preisverwerfungen und der massive Ausbau volatiler Energiequellen wurden von ihm als Symptome einer fehlgeleiteten Politik beschrieben. Für Beran war die Energiewende in ihrer deutschen Ausprägung kein Musterbeispiel für ökologische Vernunft, sondern ein Lehrstück darüber, wie man industrielle Substanz gefährdet und Landschaften in technische Nutzflächen verwandelt.

Man musste diese Kritik nicht in jedem Punkt teilen, um ihre Bedeutung für die Konferenz zu erkennen. Beran sprach aus, was in Mittel- und Osteuropa vielerorts gedacht wird: Warum sollen kleinere Staaten ein Modell übernehmen, das selbst in Deutschland soziale und industrielle Spannungen erzeugt?

Jan Buzek: Energiepolitik als Machtfrage

Jan Buzek ergänzte die Debatte mit einem Blick auf Tschechien. Er verband Energiepreise, nationale Industrie, Eigentumsfragen und soziale Gerechtigkeit. Seine Kritik zielte auf eine Politik, die Bürgern hohe Kosten aufbürdet, während große Strukturen profitieren.

Besonders prägnant war der Gedanke, dass jede Kilowattstunde, die Bürger selbst erzeugen, eine Kilowattstunde ist, die große Anbieter nicht mehr verkaufen können. Damit wurde dezentrale Energie nicht nur als Technik, sondern als Machtverschiebung beschrieben.

Energiepolitik, so wurde deutlich, entscheidet nicht nur darüber, wo Strom herkommt. Sie entscheidet auch darüber, wer verdient, wer abhängig bleibt und wer überhaupt noch gestalten kann.

Steffen Kotré: Der Ruf nach einer energiepolitischen Arbeitsgruppe

In diesen Kontext passte auch die Videobotschaft von Steffen Kotré, Bundestagsabgeordneter der AfD. Seine Botschaft wurde in deutscher Sprache mit Untertitel präsentiert. Kotré plädierte für eine Gruppe, die sich gezielt und dauerhaft mit Energiefragen beschäftigt.

Dass ein AfD-Politiker in einem solchen Rahmen auftauchte, ist politisch nicht nebensächlich. Es zeigt, dass Energiepolitik längst auch Teil größerer Auseinandersetzungen um nationale Souveränität, EU-Kompetenzen und wirtschaftliche Selbstbehauptung geworden ist. Zugleich stellt sich hier eine journalistisch notwendige Einordnung: Die energiepolitische Kritik an Brüssel oder Berlin ist nicht automatisch falsch, nur weil sie auch von politischen Akteuren aufgegriffen wird, die in anderen Fragen hoch umstritten sind. Aber sie muss sorgfältig geprüft, eingeordnet und von parteipolitischer Vereinnahmung getrennt werden.

Kotré fügte sich mit seiner Forderung nach einer fachlichen Gruppe in eine Linie ein, die später auch in der Abschlusserklärung sichtbar wurde: Die Konferenzteilnehmer wollten Energiefragen nicht als kurzfristige Protestfolie behandeln, sondern als dauerhaftes strategisches Arbeitsfeld.

Michael Huppertz: Die übersehene Ressource

Einen anderen Akzent setzte Michael Huppertz. Er sprach als Journalist, Berater der Blue Energy Group und Unterstützer der redaktionellen Arbeit der Eurasien Gesellschaft. Sein Vortrag trug den Titel „The Overlooked Energy Resource – Waste, Syngas and Decentralized Power in Europe’s Search for Energy Sovereignty“.

Huppertz begann nicht bei Atomkraft oder Windrädern, sondern bei einem Stoffstrom, den moderne Gesellschaften gern aus dem Blickfeld schieben: Reststoffe. Nicht Müll als Schmutzbegriff, sondern Reststoffe als Materialströme, die nach Vermeidung, Wiederverwendung und Recycling übrig bleiben und dennoch Energie, Wert und strategisches Potenzial enthalten können.

Seine These war: Europas Energiedebatte ist zu eng. Sie kreist um Wind, Sonne, Wasserstoff, Speicher und Netze. All das ist wichtig. Aber Energie ist nicht nur Strom. Energie ist Wärme. Energie ist Infrastruktur. Energie ist Flächennutzung. Energie ist Wasserverfügbarkeit. Und Energie ist die Fähigkeit, steuerbare Leistung bereitzustellen, wenn Wind und Sonne gerade Pause machen.

Als technologisches Beispiel stellte Huppertz das Prinzip der Blue Energy Group vor. Geeignete Reststoffe können aufbereitet und zu standardisierten Energieträgern verarbeitet werden, den sogenannten Blue Energy Sticks. Diese werden in thermochemischen Cube-Systemen in Gas umgewandelt. Nach Reinigung und Konditionierung entsteht Synthesegas, das in Kraft-Wärme-Kopplung genutzt werden kann – also zur Erzeugung von Strom und nutzbarer Wärme.

Der entscheidende Punkt: Es geht nicht darum, Abfall pauschal zu verbrennen. Es geht darum, geeignete Restmaterialien zu prüfen, zu konditionieren, zu standardisieren und in lokale Energiearchitekturen einzubinden.

Damit führte Huppertz die Debatte aus der großen Systemkritik zurück in die konkrete Infrastrukturfrage: Was kann eine Kommune, ein Industriegebiet, ein Wärmenetz oder eine Region mit Ressourcen tun, die bereits vor Ort vorhanden sind?

Energie als Infrastruktur des Friedens

Am Ende des ersten Tages zeichnete sich ein gemeinsamer Nenner ab. Die Referenten unterschieden sich in Ton, Technikpräferenz und politischer Rahmung. Aber sie trafen sich in einem Punkt: Energiepolitik darf nicht länger als dekorative Klimapolitik behandelt werden.

Sie ist die materielle Basis gesellschaftlicher Ordnung. Wer Energie verteuert, gefährdet sozialen Frieden. Wer Industrie schwächt, schwächt politische Stabilität. Wer Versorgungssicherheit verliert, verliert Souveränität.

Das ist keine kleine These. Es ist eine Absage an jene Art europäischer Politik, die glaubt, man könne physikalische, industrielle und soziale Wirklichkeit durch moralisch aufgeladene Zielvorgaben ersetzen.

Beschlussfassung Energie: Von Bratislava nach Brüssel – und nach Bratislava selbst

Die Konferenz blieb nicht bei Vorträgen stehen. Aus dem energiepolitischen Teil entstand eine Abschlusserklärung der Konferenz „Energy Sovereignty of the New Europe“.

Darin äußerten die Teilnehmer ernste Sorge über aus ihrer Sicht negative Auswirkungen europäischer Energiepolitik auf Energiesicherheit und wirtschaftliche Souveränität der EU-Mitgliedstaaten. Kritisiert wurden insbesondere Entscheidungen der Europäischen Kommission im Bereich der Energieregulierung. Genannt wurden eine mögliche Verletzung des Verhältnismäßigkeitsgrundsatzes, Einschränkungen wirtschaftlicher Rechte von Bürgern und Unternehmen sowie ein Widerspruch zum Ziel, bezahlbare Energie für alle Bevölkerungsgruppen sicherzustellen.

Die Erklärung benennt außerdem systemische Probleme: mangelnde Transparenz bei Entscheidungen, unzureichende Bewertung sozialer und wirtschaftlicher Folgen energiepolitischer Maßnahmen und zu geringe Berücksichtigung einzelstaatlicher Interessen bei der Gestaltung gemeinsamer europäischer Energiepolitik.

Die energiepolitische Debatte blieb in Bratislava nicht folgenlos. Am Ende stand ein einstimmig angenommener Beschluss der Konferenzteilnehmer. Darin wird eine Überprüfung europäischer Entscheidungen im Energiebereich angemahnt – politisch wie rechtlich. Zugleich wird gefordert, die Rolle der nationalen Parlamente bei der Ausgestaltung und Umsetzung europäischer Energiepolitik zu stärken.

Konkret sieht der Beschluss auch die Einrichtung einer fachlichen Arbeitsgruppe unter dem Titel „For Energy Sovereignty!“ vor. Diese soll Risiken der aktuellen Regulierung bewerten, Empfehlungen erarbeiten, Gesetzesentwürfe und parlamentarische Initiativen vorbereiten sowie Vorschläge entwickeln, wie Energieregulierung, Versorgungssicherheit und wirtschaftliche Stabilität in den EU-Mitgliedstaaten besser miteinander verbunden werden können.

Der einstimmig verabschiedete Beschluss soll an die politisch Verantwortlichen auf europäischer und nationaler Ebene übergeben werden – an die
Europäische Kommission, das Europäische Parlament, den Rat der Europäischen Unionsowie an die nationalen Parlamente der EU-Mitgliedstaaten. Ein gesonderter Appell richtet sich zudem an den Nationalrat der Slowakischen Republik. Damit wird aus der Konferenz nicht nur ein Ort der Analyse, sondern auch ein politischer Impuls: von Bratislava nach Brüssel – und zugleich zurück in die Verantwortung der nationalen Parlamente.

Der gesonderte Appell an den slowakischen Nationalrat

Neben dieser allgemeinen europäischen Erklärung wurde ein eigenes Dokument an den National Council of the Slovak Republic, also den Nationalrat der Slowakischen Republik, gerichtet.

Dieser Appell trägt das Datum 26. Mai 2026 und bezieht sich auf den Veranstaltungsort Bratislava. Darin wenden sich die Teilnehmer der Konferenz „Energy Sovereignty of the New Europe“ direkt an die Mitglieder des slowakischen Nationalrats.

Im Zentrum steht die Anregung, ein Gesetzgebungsverfahren für einen Entwurf mit dem Titel „On the Repeal or Suspension of European Union Legal Norms During a State of Emergency in the Energy Sector“ einzuleiten. Gemeint ist ein nationaler Notfallmechanismus, der der Slowakischen Republik ermöglichen soll, bestimmte EU-Rechtsnormen im Energiesektor während eines offiziell erklärten Energie- oder Wirtschaftsnotstands zeitlich befristet auszusetzen.

Begründet wird dies mit der besonderen Verwundbarkeit kleinerer Staaten. Was für eine große Volkswirtschaft ein beherrschbares Problem sein könne, könne für ein kleineres Land zur existenziellen Bedrohung werden. Genannt werden die hohe Importabhängigkeit der Europäischen Union bei Energie, die Schnelligkeit von Marktreaktionen in Krisenzeiten und die Langsamkeit politischer Entscheidungen auf EU-Ebene.

Bemerkenswert ist die politische Rahmung des Dokuments: Der vorgeschlagene slowakische Notfallmechanismus wird nicht als Absage an die europäische Integration dargestellt, sondern als Versuch, sie durch größere Flexibilität krisenfester zu machen. Europäische Stabilität entstehe demnach nicht nur durch gemeinsame Regeln, sondern auch durch die Fähigkeit, in außergewöhnlichen Lagen angepasst zu reagieren.

Das ist der eigentliche politische Kern der Bratislava-Erklärung: Nicht Austritt, sondern Notbremse. Nicht Anti-Europa, sondern ein Europa, das in Krisen nicht an seiner eigenen Regelmechanik erstickt.

Zweiter Tag: Armenien – ein kleines Land im Schraubstock der großen Interessen

Der zweite Konferenztag führte in eine andere, aber keineswegs entfernte Welt. Das Thema lautete: „Armenia: Its Place in the Eurasian Economic Union or the European Union“.

Schon diese Überschrift war eine Zumutung an einfache Antworten. Armenien ist kein geopolitisches Brettspielfeld, auf dem man nur eine Figur von Ost nach West verschiebt. Es ist ein kleines Land mit großer Geschichte, einer verwundeten Erinnerung und einer Lage, die man keinem Staat wünschen möchte: zwischen Türkei, Aserbaidschan, Iran, Russland und den wachsenden Interessen der Europäischen Union.

Das offizielle Programm nannte drei zentrale Themen: die Wahl des armenischen Volkes zwischen Europäischer Union und Eurasischer Wirtschaftsunion, den Schutz der Armenischen Apostolischen Kirche und den Schutz politischer Gefangener im heutigen Armenien.

Damit war klar: Es ging nicht nur um Außenpolitik. Es ging um Existenzfragen.

František Mikloško: Armenien hat das Recht auf seinen Weg

Der slowakische Politiker František Mikloško sprach Armenien als Land an einem historischen Scheideweg an. Er betonte, Armenien habe jedes Recht, sich der Europäischen Union zuzuwenden, wenn dies dem Willen des Landes entspreche. Kein Machtblock dürfe Armenien daran hindern.

Doch Mikloško blieb nicht bei dieser liberalen Formel stehen. Für ihn ist Armenien nicht nur das heutige Staatsgebiet der Republik Armenien. Für ihn gehört auch Nagorno-Karabach zur armenischen Schicksalsfrage.

Besonders eindringlich waren seine Erinnerungen an frühere Besuche in Nagorno-Karabach. Er schilderte persönliche Begegnungen und nannte frühere politische Vertreter aus Karabach, die heute in Aserbaidschan inhaftiert sind. Seine Frage war scharf und unbequem: Warum schweigen Armenien, Russland, die Europäische Union, die USA und die Weltöffentlichkeit? Ist aserbaidschanisches Öl am Ende wichtiger als Menschenrechte?

Diese Frage hing über dem zweiten Tag wie ein Schatten. Sie berührte den wunden Punkt europäischer Außenpolitik: Werte werden gern verkündet, solange sie nicht mit Energieinteressen kollidieren.

Alexander Rahr: Armenien zwischen Europa und Russland

Der Beitrag von Alexander Rahr, Vorstandsmitglied der Eurasien Gesellschaft, wurde stellvertretend vorgetragen. Rahr ordnete Armenien in die größeren Verschiebungen des postsowjetischen Raums ein.

Seine Analyse war keine Parteinahme für einfache Lagerlogik. Armenien bewege sich politisch, wirtschaftlich und diplomatisch näher an die Europäische Union heran. Gleichzeitig bleibe das Land historisch, wirtschaftlich, infrastrukturell und sicherheitspolitisch eng mit Russland verbunden. Genau daraus entsteht die strategische Spannung.

Rahr unterschied ausdrücklich zwischen einer Annäherung an die Europäische Union und einer NATO-Perspektive. Diese beiden Ebenen würden oft vermischt. Dabei zeigten Beispiele wie Österreich oder Irland, dass wirtschaftliche und politische Integration in Europa nicht automatisch militärische Einbindung bedeuten müsse.

Für Armenien könnte theoretisch ein Modell denkbar sein, das europäische wirtschaftliche und politische Annäherung mit sicherheitspolitischer Zurückhaltung verbindet. Doch Rahr machte zugleich deutlich, wie begrenzt Armeniens Spielraum ist. Das Land liegt zwischen regionalen Machtzentren. Seine Energie-, Sicherheits-, Infrastruktur- und Handelsbeziehungen lassen sich nicht kurzfristig neu verkabeln.

Der eigentliche Bruch, so Rahr, sei Nagorno-Karabach. Der Verlust der Region, das Verhalten russischer Friedenstruppen und der Eindruck, Moskau habe Armenien nicht ausreichend geschützt, hätten bei vielen Armeniern einen tiefen politischen und psychologischen Vertrauensverlust ausgelöst. Genau deshalb suche Armenien neue Optionen.

Aus Sicht der Eurasien Gesellschaft ergibt sich daraus eine größere Aufgabe: Stabilität in Eurasien wird nicht durch Maximalforderungen entstehen. Nicht durch vollständige Isolation Russlands. Nicht durch immer neue Einflusszonen. Notwendig sind neue Formen regionaler Kooperation, die wirtschaftliche Integration ermöglichen, ohne automatisch militärische Bedrohungsszenarien zu erzeugen.

Armenien zeigt, was viele Länder im eurasischen Raum bewegt: Sie wollen nicht mehr nur zwischen Ost und West wählen. Sie suchen Modelle, die wirtschaftliche Offenheit, politische Eigenständigkeit und sicherheitspolitische Balance verbinden.

Die Armenische Apostolische Kirche: Mehr als Religion

Ein zentrales Thema des zweiten Tages war die Armenische Apostolische Kirche. Sie wurde von mehreren Rednern nicht nur als religiöse Institution beschrieben, sondern als Trägerin armenischer Identität, Sprache, Erinnerung und kultureller Kontinuität.

Yunona Hakobjanyan stellte die Geschichte dieser Kirche als Geschichte von Verfolgung, Zerstörung und Überleben dar. Angriffe auf die Kirche seien in der armenischen Geschichte oft nicht nur religiöse Angriffe gewesen. Sie seien Versuche gewesen, armenische Kultur und nationale Existenz zu treffen.

Die Linie reicht aus ihrer Sicht von historischen Invasionen über den Völkermord an den Armeniern bis zu heutigen Konflikten um Kirchen, Friedhöfe und Kulturdenkmäler. Damit wurde deutlich: Wer über die Armenische Apostolische Kirche spricht, spricht nicht nur über Glauben. Er spricht über das Gedächtnis eines Volkes.

Auch die aktuelle Spannung zwischen armenischem Staat und Kirche wurde thematisiert. Kritiker werfen kirchlichen Akteuren politische Einmischung vor. Unterstützer sehen in der Kirche eine der letzten Institutionen, die nationale Kontinuität, Erinnerung und moralische Widerstandskraft verkörpert.

Es ist ein Konflikt, der sich nicht sauber in moderne Zuständigkeitskästen sortieren lässt. Für viele Armenier ist die Kirche nicht bloß Institution. Sie ist Archiv, Schutzraum und inneres Rückgrat.

Monsignore Jean-Marie Gervais: Armenien als christlicher und geopolitischer Knotenpunkt

Monsignore Jean-Marie Gervais beschrieb Armenien als strategischen Knotenpunkt im Südkaukasus – zwischen Europa, Nahost und Zentralasien. Zugleich hob er die historische Sonderrolle Armeniens hervor: das erste Land, das im Jahr 301 das Christentum zur Staatsreligion erhob.

In seinem Beitrag verband sich die geopolitische Lage mit der religiösen und kulturellen Dimension. Der Konflikt um Nagorno-Karabach, der Exodus von mehr als hunderttausend Armeniern nach der aserbaidschanischen Offensive 2023, die Rolle des Zangezur-Korridors und die internationale Zurückhaltung gegenüber Baku wurden als Teile einer größeren Machtordnung beschrieben.

Besonders deutlich wurde auch hier der Zusammenhang von Energie und Diplomatie. Aserbaidschan besitzt Öl und Gas. Seit Europa seine Beziehungen zu Russland neu sortiert, ist Baku für Brüssel wichtiger geworden. Das begrenzt, so die armenische Perspektive vieler Beiträge, die Bereitschaft des Westens zu politischem Druck.

Auch hier schloss sich der Kreis zum ersten Konferenztag: Energie ist nie nur Energie. Sie kann erklären, warum manche Menschenrechtsfragen lauter gestellt werden als andere.

Anahid Khananyan: Die Schattenseite der künstlichen Intelligenz

Einen besonderen, fast unerwarteten Akzent setzte Anahid Khananyan. Ihr Beitrag führte die Debatte über Identität nicht über Grenzen, Bündnisse oder historische Ansprüche, sondern über die Psyche.

Khananyan sprach als Psychologin und Jungian Analyst über europäische Identität, künstliche Intelligenz und kulturelle Zugehörigkeit. Ihr Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass Staaten Entwicklungsphasen durchlaufen: erst die Einbindung in größere politische oder wirtschaftliche Räume, später das Bedürfnis, zu eigenen Wurzeln, Symbolen und nationaler Identität zurückzukehren.

Das klingt zunächst wie Kulturtheorie. Doch bei Khananyan wurde daraus eine psychologische Warnung.

Ihr zentraler Gedanke: Kulturelle Identität entsteht nicht durch Information allein. Ein junger Mensch kann viel wissen über Geschichte, Sprache, Religion, Musik, Mythen und nationale Symbole – und dennoch bleibt dieses Wissen äußerlich. Kultur wird erst dann zur eigenen Kultur, wenn sie erlebt, emotional verankert und in Beziehungen weitergegeben wird.

Hier setzte ihre Kritik an der künstlichen Intelligenz an. Nicht KI selbst sei das Problem. Das Problem sei die Illusion, die KI erzeugen könne: Man weiß viel, formuliert schnell, antwortet präzise – und bleibt innerlich dennoch unberührt. Der Mensch besitzt dann Kultur als Datenbestand, aber nicht als Erfahrung.

In jungianischen Begriffen beschrieb Khananyan die Spannung zwischen Logos und Eros. KI stärke den Logos: Analyse, Struktur, Geschwindigkeit, Rationalität. Kulturelle Identität aber brauche Eros: Beziehung, emotionale Beteiligung, symbolische Tiefe, Verbundenheit.

Das war einer der feineren, aber vielleicht folgenreichsten Gedanken der Konferenz. Denn er berührte die Schattenseite der digitalen Moderne. Eine Gesellschaft kann alles über ihre Geschichte abrufen und trotzdem ihre Geschichte verlieren. Sie kann ihre Symbole digital verwalten und trotzdem deren innere Bedeutung verlieren. Sie kann kulturelle Identität simulieren, ohne sie zu leben.

Khananyans Beitrag passte deshalb erstaunlich genau zur Armenien-Debatte. Armenien kämpft nicht nur um Territorium, Bündnisse und Sicherheit. Es kämpft um die Weitergabe innerer Zugehörigkeit: Sprache, Kirche, Erinnerung, Diaspora, Familie, Rituale, Symbole.

Ihre Schlussfolgerung war klar: KI darf Brücke zur Kultur sein, aber nicht Ersatz für Kultur. Bildung, Familie und Gesellschaft müssten junge Menschen aus einem rein informationellen Raum zurückführen in lebendige emotionale Beziehungen – zu Sprache, Religion, Kunst, Werten und nationalen Symbolen.

Ruja Valdemar: Armenien als tragbare Zivilisation

Ruja Valdemar öffnete den Blick auf Armenien als europäische Kulturgeschichte. Am Beispiel Calouste Gulbenkians zeigte sie, dass armenische Identität nicht an ein einzelnes Territorium gebunden blieb.

Gulbenkian, armenischer Herkunft, britischer Staatsbürger, in Frankreich beheimatet, später in Portugal ansässig, wurde zum Symbol einer Kultur, die sich nicht auflöst, wenn sie wandert. Armenier hätten ihre Zivilisation über Jahrhunderte getragen, bewahrt und an neuen Orten eingepflanzt: in Venedig, Lissabon, London, Marseille, Amsterdam.

Die These war stark: Armenische Kultur ist nicht Bewerberin um Aufnahme in Europa. Sie ist längst Bestandteil europäischer Zivilisation. Europa muss sie nur wiedererkennen.

Karine Gevorgyan: Gegen die einfachen Etiketten

Karine Gevorgyan warnte vor simplen Etiketten wie „prorussisch“ oder „antirussisch“. Der Konflikt um Armeniens Orientierung sei älter und komplexer als die Regierung Paschinjan. Der Drift Armeniens zu westlichen Machtzentren habe lange vor der aktuellen Führung begonnen, zugleich sei die frühere „Prorussischkeit“ armenischer Eliten oft überschätzt worden.

Diese Differenzierung war wichtig. Denn die Armenien-Debatte leidet unter der Versuchung, alles in Lagerlogik zu sortieren. Hier der Westen, dort Russland. Hier Demokratie, dort Abhängigkeit. Hier Fortschritt, dort Vergangenheit.

Gevorgyan zeigte, dass die Wirklichkeit unordentlicher ist. Armenien balanciert nicht aus Laune zwischen Machtzentren, sondern weil es sich in einer Lage befindet, in der jede eindeutige Entscheidung neue Gefahren erzeugen kann.

Die Kontroversen: Kein Konsens, aber ein gemeinsamer Ernst

Die Konferenz war nicht harmonisch. Sie war auch nicht dafür gebaut.

Es gab unterschiedliche Sichtweisen zur EU, zu Russland, zur NATO, zu Aserbaidschan, zur Rolle der Kirche, zur Energiepolitik, zur Kernkraft, zu erneuerbaren Energien und zur politischen Verantwortung Europas.

Einige Beiträge betonten stärker das Recht Armeniens auf europäische Annäherung. Andere warnten davor, Armenien in eine Konfrontation zwischen Russland und dem Westen hineinzuziehen. Einige sahen in Russland weiterhin einen historischen Schutzfaktor. Andere verwiesen auf den Vertrauensbruch nach Nagorno-Karabach. Einige argumentierten stark kirchlich und kulturell. Andere geopolitisch oder juristisch.

Doch gerade diese Widersprüche machten die Konferenz ernsthaft. Es wurde nicht versucht, einen künstlichen Konsens zu erzeugen. Die Veranstaltung zeigte vielmehr, wie schwierig Frieden ist, wenn jeder ihn will, aber jeder andere Wege dorthin sieht.

Beschlussfassung Armenien: Der politische Anspruch

Auch beim Armenien-Teil blieb es nicht bei Analyse. Die Konferenz zielte auf politische Befassung und institutionelle Adressierung. Im Mittelpunkt standen die Lage Armeniens, die Zukunft des Landes zwischen Europäischer Union und Eurasischer Wirtschaftsunion, der Schutz der Armenischen Apostolischen Kirche, die Situation politischer Gefangener und die humanitären Folgen von Nagorno-Karabach.

Der politische Anspruch richtet sich an europäische Institutionen und internationale Öffentlichkeit: Armenien darf nicht nur als geopolitischer Baustein betrachtet werden. Wer Armenien für Europa gewinnen will, muss sich auch zu seiner religiösen, kulturellen, humanitären und sicherheitspolitischen Lage verhalten.

Dabei geht es um mehr als Symbolpolitik. Es geht um die Frage, ob Europa bereit ist, seine Werte dort ernst zu nehmen, wo sie mit Energieinteressen, regionalen Machtverhältnissen und diplomatischer Bequemlichkeit kollidieren.

Was beide Tage verband

Auf den ersten Blick standen zwei Themen nebeneinander: Energie am ersten Tag, Armenien am zweiten. Doch tatsächlich liefen beide Linien auf denselben Begriff zu: Souveränität.

Im Energiebereich bedeutet Souveränität, dass Staaten ihre Versorgung, Preise, Infrastruktur und industrielle Basis nicht vollständig fremden Märkten, importierten Ressourcen oder langsamen supranationalen Entscheidungsprozessen überlassen.

Im armenischen Kontext bedeutet Souveränität, dass ein kleines Land seine politische Zugehörigkeit, seine Sicherheit, seine kulturelle Identität und seine historische Erinnerung nicht vollständig den Interessen größerer Mächte ausliefern darf.

Energie, Kultur, Sicherheit, Identität – das waren in Bratislava keine getrennten Kapitel. Sie waren verschiedene Ausdrucksformen derselben Frage: Wie bleibt ein Staat handlungsfähig, wenn die Weltordnung brüchig wird?

Wollten alle Frieden?

Vor Ort entstand der Eindruck, dass der Wunsch nach Frieden alle Beiträge verband – auch dort, wo die Wege dorthin sehr unterschiedlich, teils kontrovers und politisch widersprüchlich beschrieben wurden.

Das ist die eigentliche Botschaft von Bratislava. Frieden ist kein Konsensplakat. Frieden ist Arbeit an Voraussetzungen: Energie, die bezahlbar bleibt. Staaten, die handlungsfähig bleiben. Kulturen, die nicht ausgelöscht werden. Kirchen, die nicht zu politischen Feindbildern werden. Minderheiten, die Schutz erfahren. Märkte, die Menschen nicht überrollen. Und Gesprächsräume, die nicht geschlossen werden, nur weil die Positionen unbequem sind.

Bratislava wurde so tatsächlich für zwei Tage zu einer „City of Peace“. Nicht, weil dort Frieden beschlossen wurde. Sondern weil dort über seine Bedingungen gesprochen wurde.

Und vielleicht beginnt Frieden genau dort: nicht in der Harmonie, sondern in der Fähigkeit, den Streit nicht in Feindschaft kippen zu lassen.

Die Bühne: Wer sprach – und aus welchen Ländern?

Die Konferenz brachte eine bemerkenswert breite Runde zusammen. Bratislava war kein Treffen eines einzigen politischen Milieus. Es war ein Ort, an dem unterschiedliche nationale Perspektiven und politische Prägungen sichtbar wurden. Gerade deshalb war die Konferenz nicht spannungsfrei. Aber spannungsfrei war auch nicht ihr Anspruch.

Was vor Ort besonders auffiel: Die Auseinandersetzung blieb nicht im Gegeneinander stecken. Im Konferenzraum, aber auch in den Gesprächen zwischendurch, entstand immer wieder genau jener Raum, der politisch oft fehlt: Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen, Überzeugungen und Interessen saßen an einem Tisch, widersprachen einander, hörten einander zu – und suchten dennoch nach einem gemeinsamen Weg. Nicht, weil alle dieselbe Meinung hatten. Sondern weil allen bewusst war, dass Energiepolitik, Versorgungssicherheit und europäische Stabilität nicht durch Lagerdenken gelöst werden.

Gerade darin lag der eigentliche Wert dieser Konferenz. PANAP schuf in Bratislava einen Rahmen, in dem Differenzen nicht zugedeckt, sondern ausgehalten wurden. Aus Kontroverse wurde Gespräch. Aus Gespräch wurde der Versuch, gemeinsame politische Impulse zu formulieren.

Organisation und Moderation

Dr. Ashot Grigorian, Slowakei, Präsident des Vienna Club / PANAP, Gastgeber und Moderator.